MZ, Montag 14. Oktober 2002 Silcher-Chor stellte seinen Namenspatron vor Konzert unter Leitung von Vera Böhlk - Gisela Röhl führt
plaudernd durch das Programm - Solistische Kostbarkeiten Lieder-Nachmittag im Pfauschen Stift Von HERBERT SCHOLZ  Einen Liedernachmittag vor 100 Zuhörern gaben am Sonnabend die Mitglieder des Silcher-Chores Quelle: mz
Foto: K. Friedrich Bernburg/MZ. Im Gemeindehaus des Pfauschen Stifts gaben
am Sonnabendnachmittag die Sängerinnen und Sänger des Friedrich
Silcher-Chores unter Leitung von Vera Böhlk einen Liedernachmittag.
Er stand unter dem Motto: "Kennen Sie Friedrich Silcher?" Im Programm dieses Liedernachmittags standen deswegen auch
hauptsächlich Melodien von Friedrich Silcher. Andere Melodien, wie
beispielsweise Volkslieder und Weisen von Franz Schubert oder Carl
Friedrich Zelter, dem Begründer der ersten Liedertafel, trugen
zumindest im Satz die Handschrift von Silcher. Mit einigen Volksweisen begann das Chorkonzert. "Des Sommers
letzte Rose" kam aus Irland. Ewig jung bleibt wohl die Weise "Wenn
alle Brünnlein fließen", auch wenn sie schon 1534 entstanden ist.
Und "Das Lieben bringt groß Freud" gilt sicher nicht nur im
Schwäbischen, woher es eigentlich stammt. Immer wieder waren die etwa 100 Zuhörer geneigt, in die diese
und auch andere Lieder mit einzustimmen, wie etwa bei "Es, es, es
und es" oder „Die Lorelei", dem Gedicht von Heinrich Heine, das
Friedrich Silcher vertont hatte. Apropos: Heine. Zwei weitere
Gedichte von ihm und eines von Ludwig Uhland trug Gisela Röhl in
ihrer Moderation vor. Das gesprochene Wort machte nicht nur mit den Texten und ihren
Autoren sowie den Melodien und ihren Komponisten bekannt, sondern
fügte auch die wichtigsten biografischen Daten von Friedrich
Silcher nahtlos in das Programm ein. Mit wenigen, aber markanten
Sätzen wurde das Leben des Namenspatrons des Chores, der 1789 in
Schnait (Remstal) geboren wurde und 1860 in Tübingen starb,
nachgezeichnet. Zusätzliche Kostbarkeiten des Nachmittags waren das von Luca
Koken, 11 Jahre, und Vera Böhlk vierhändig auf dem Klavier
gespielte "Heideröslein", eine von Sven Koken, 12 Jahre, auf dem
Klavier gespielte Arabeske sowie eine Sonatina von Beethoven, die
Luca auf dem Violincello und Vera Böhlk auf dem Klavier
vortrugen. Der Friedrich-Silcher-Chor selbst ist aus einem 1838 gegründeten
Männerchor hervorgegangen. Seit 1955 hatten die "Silcher" auch ei
nen Frauenchor. Seit einigen Jahren aber singen Männer und Frauen
wieder vereint. AUS DER BIOGRAFIE - Friedrich Silcher Der Namensgeber für den Friedrich-Silcher-Chor wurde am
27. Juni 1789 geboren und starb am 26. August 1860. Er wurde
zunächst wie sein Vater Dorfschullehrer. Schon früh stellte sich
seine musikalische Begabung heraus. Die einflussreiche Familie von Berlichingen in Schorndorf
engagierte Sil cher in den Jahren 1807 bis 1809 als Hauslehrer. Die gleiche Familie vermittelte ihn an eine Mädchenschule in
Ludwigsburg, wo er von 1809 bis 1815 tätig war. Hier trifft Silcher
auch auf Carl Maria von Weber. Von 1815 bis 1817 lässt sich Silcher in Stuttgart als
Privatmusiklehrer nieder. Er nimmt Klavier- und
Kompositionsunterricht. 1817 wird Friedrich Silcher als
Universitätsmusikdirektor und Lehrer an das Evangelische Stift in
Tübingen berufen. Dort gründet er 1829 die Akademische Liedertafel und danach
verschiedene Chöre. Darüber hinaus leitet er das Orchester des
Stifts. |